BarCampen in Pariser Bars

Dieser Blogeintrag entsteht an einem Samstag Abend in einer bar am Parc de la Villette. Er entsteht, mit dem Füller meiner Mutter auf meinen Uni-Notizblock geschrieben. Dieser Blogeintrag ist der erste vom BarCamp 2012 des DFJW in Paris.

In einem völlig abgenutzten Sessel, der an den Armlehnen durch den in Fetzen hängenden Blümchenbezug die Locken seiner Strohfüllung entblößt. Der DJ spielt Elektro, und mischt ein bisschen Neue Deutsche Welle in sein Set, als er merkt, dass sich eine Gruppe Deutscher in der Bar zusammenzwängt (Neue Deutsche Welle scheint immer noch ziemlich beliebt bei Elektro-DJs).

Eine kleine Gruppe BarCamper, die einfach noch nicht schlafen will, sucht eine Bar am Parc de la Villette.

Heute Nachmittag haben wir uns alle getroffen in einem kleinen aber feinen Veranstaltungs-Établissement im 11ème Arrondissement – altbekannte und neue Gesichter, mehr Deutsche als Franzosen und gefühlt doppelt so viele Berliner wie Pariser. Wir haben Input-Vorträge von Soziologen gehört, die zum Thema Engagement und (Ent-)Politisierung der Jugend forschen. Denn ein BarCamp mit dem (ganz und gar nicht vom französischen Philosophen Descartes plagiierten) Titel „Je vote, donc je suis“ braucht ein paar Zahlen und Thesen als Wissensgrundlage. Wir haben in kleiner Runde an den Tischen debattiert, ob das französische oder das deutsche Parteiensystem vielfältiger ist, und welches Potential die Piraten nun wirklich hegen. Nur die Vorstellungsrunde haben die Organisatoren in weiser Voraussicht vorverlegt, damit die Teilnehmer nicht, vom Hunger geplagt, alle „Essen“ in ihrer Drei-Wort-Vorstellung erwähnen.

In diesen Drei-Wort-Vorstellungen wurde dann auch gleich klar, dass die Behauptung, es seien Vertreter aller politischen Parteien anwesend, keineswegs übertrieben war. Die drei Damen von der Friedrich-Ebert-Stiftung hattte ich schon im Hotel kennengelernt, eine von ihnen stellt sich mit „Sozialismus“ vor. Andere tarnen ihre Einstellung als „Kontinuität“, „Nachhaltigkeit“ oder „Changement„. Eben letztere ist Clémence Maulat, die nicht anders konnte, als auch für die Barcamp-Doku schon wieder ein Interview zu geben.

Jetzt steht sie an der Bar unter dem diffusen Licht einer roten Lampe und trinkt Bier aus einem kleinen Glas. Neben mir sitzt auf der zerfetzten Armlehne des Sessels ein „non-digital-Native“ der Grünen Jugend, der schon seit einer Woche für „Europe Écologie / les Verts“ Wahlkampfhilfe leistet. Jetzt unterhalten wir uns über Studienfächer und Berufswünsche, unseren Weg zum BarCamp, Erwartungen und Ideen. Auf Deutsch, entgegen der offiziellen Verkehrssprache. Zwischenfragen auf Französisch werden wie selbstverständlich beantwortet. der Übergang zwischen den Sprachen ist fließend. Nach nicht mal sechs sechs Stunden, egal welche Sprache, welches Alter, welche politische Einstellung, so oder so, wir verstehen uns. Und morgen kann’s richtig losgehen.

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